23.7.07

Lektion: Sprachlehre Showisch - Deutsch

Heute wollen wir ein paar Ausdrücke der Fernsehsprache "Showisch" lernen.

"Showisch" ist die Sprache, die grauenvolle TV-Profis in Sendungen verwenden, damit der Zuschauer nicht versteht, was sie wirklich denken. Es sind verschlüsselte Sätze, die in Wahrheit eine ganz andere Bedeutung haben.

Wir wollen heute die gängigsten Ausdrücke und Redewendungen aus dem Bereich der Quiz-, Spiel- und Musikshow lernen. Es sind alles Ausdrücke, die Showmoderatoren und Showstars verwenden.

Bei den folgenden Beispielen lesen Sie zuerst den Satz in Showisch, und dann die Übersetzung ins Deutsche.

Zum besseren Verständnis können Sie sich auch vorstellen:
Das sagt der grauenvolle TV-Profi.
Und: Das denkt der grauenvolle TV-Profi.

Moderator:
Das Publikum hier in der Stadthalle ist immer besonders gut.
Eine Ansammlung voller Schlaftabletten. Hallo, schon alle tot?

Fragen wir doch einfach mal unser Publikum.
Los, aufwachen und mit beiden Händen klatschen, Ihr Schlafsäcke!

Ich glaube unser Publikum will applaudieren.
Wird's heute noch was mit Klatschen?

Kann uns das unser lieber Regisseur Sascha einmal zeigen?
Sascha, wofür haben wir das eigentlich tausend Mal geprobt?

Auf den nächsten Gast freue ich mich besonders.
Wieder so 'ne Pfeife.

Unser Gast hat auch ein paar Wörter Deutsch gelernt.
Jetzt kommt wieder dieses "Guhtän Aabänd, Doitschlohnd. Isch liebä Eusch!" - Gesülze.

Ausländischer Showstar:
Guhtän Aabänd, Doitschlohnd. Isch liebä Eusch!
Ihr fallt immer wieder auf den gleichen Mist rein.

Das deutsche Publikum ist das beste.
Euch kann man alles erzählen.

Moderator:
Unser Gast würde gerne noch in der Sendung bleiben, aber er muss noch sein Flugzeug erreichen.
Länger hält er den unerträglichen Quatsch dieser Sendung nicht aus. Jetzt braucht er die Hotelbar.

Moderator zu einem Kandidaten, der ausgeschieden ist:
Vielen Dank für's Mitspielen!
Ab in die Garderobe, Du Versager.

Sie waren ein wunderbarer Kandidat!
Selten so 'ne Pfeife wie Dich in der Sendung gehabt.

Vielleicht klappt's ja beim nächsten Mal besser.
Du kommst durch kein Casting mehr.
 Moderator bei der Verabschiedung:
Sie waren ein zauberhaftes Publikum.
Ihr kapiert es nie.

Mit diesen Ausdrücken können Sie jetzt schon routiniert durch eine Quiz- , Spiel- oder Musikshow führen.

Das nächste Mal erfahren wir, warum wir die Fernsehsprache "Showisch " vor allem bei Carmen Nebel lernen können.

20.7.07

Lektion: Seien Sie... Alfons Schuhbeck!

Heute wollen wir lernen, wie Fernseh-Koch Alfons Schuhbeck zu sein.

Das ist ganz einfach. Wie immer gilt unsere TV-Merkregel:
Mit zwei Sätzen kommen Sie immer durch.

Gemeint sind zwei TV-Standardsätze, die als rhetorisches Repertoire vollkommen ausreichen, um genau wie ein bestimmter TV-Profi - hier Alfons Schuhbeck - aufzutreten.

Stellen Sie sich vor, Sie sollen als Alfons Schuhbeck in einer Sendung ein erotisches Gericht kochen, und neben Ihnen steht der Moderator, der Sie fragt: "Und wozu ist dieses Gewürz?" Dann antworten Sie grundsätzlich:

Des gibt an Dampf!
(original Alfons Schuhbeck)

Damit sind Sie Alfons Schuhbeck schon zum Verwechseln ähnlich. Und wenn Sie der Moderator wenig später bei einer einer anderen Zutat erneut fragt: "Und wozu ist das gut?", dann antworten Sie:

Des gibt an Speed!
(original Alfons Schuhbeck)

Damit haben Sie eine wunderbare Variationsbreite und sind Alfons Schuhbeck, wie er es selbst nicht besser sein könnte. Und mit Ihren Kochkennntissen für erotische Gerichte haben Sie obendrein mächtig Eindruck gemacht.

Das nächste Mal lernen wir ein paar besonders ordinäre Sprüche für erotische Gerichte.

13.7.07

Lektion: Barbara Salesch ist Dolores Umbridge!

Heute wollen wir lernen, weshalb Barbara Salesch und Dolores Umbridge, die böse Zauberlehrerin aus "Harry Potter und der Orden des Phönix", ein und die selbe Person sind.

Vergleichen wir:

Bei Dolores Umbridge dominiert die Farbe Rosa, bei Barbara Salesch die Farbe Rot. Rosa und Rot liegen zu nah beieinander, als dass das ein Zufall sein könnte. Hier beide Frauen am Schreibtisch:

Dolores Umbridge hält einen Zauberstab in der Hand, Barbara Salsesch fuchtelt mit einem Hammer herum:

Dolores Umbridge foltert Harry Potter in ihrem Büro. Barbara Salesch quält junge Menschen in ihrem Gerichtssaal:
Beide - Umbridge und Salesch - lächeln scheinheilig, und denken Böses.
Beide SIND böse.

Das nächste Mal gehen wir dem Gerücht nach, wonach Joanne K. Rowling bereits an Harry Potter Band 8 arbeitet, in dem Barbara Salesch als Lord Voldemorts böse Stiefschwester auftaucht.

Fotos Copyright (c) Warner Bros., RTL

9.7.07

Lektion: Seien Sie... Dieter Thomas Heck!

Mit Bedauern haben wir vernommen, dass das ZDF Dieter Thomas Heck bald nicht mehr als Moderator einsetzen wird. Unser Lehrplan ist flexibel genug, um eine Lektion in der Kategorie "Seien Sie..." einzuschieben.

Deshalb wollen wir heute lernen, wie Dieter Thomas Heck zu sein.

Wir beginnen mit den üblichen zwei TV-Standardsätzen. Der erste TV-Standardsatz für Dieter Thomas Heck lautet:

Begrüßen Sie mit mir
meine reizende Assistentin Monika Sundermann!

Sieht sie nicht wieder bezaubernd aus?

Vielleicht ist Ihnen aufgefallen, dass dieser TV-Standardsatz einen Applaussatz beinhaltet: Die rhetorische Frage "Sieht sie nicht wieder bezaubernd aus?" zwingt die Leute zum Klatschen. Eine Glanzleistung in der Kunst der herrlich-schrecklichen TV-Moderation.

Unser zweiter TV-Standardsatz ist Dieter Thomas Hecks Formel für die Ansage deutscher Schlagersänger:

Hier ist er: Der Bernd! Der Clüver! Bernd Clüver!!

Also: Vorname - Nachname - Vorname+Nachname

Wir üben:
Der Bernhard! Der Brink! Bernhard Brink!!
Der Wolfang! Der Petry! Wolfgang Petry!!

Dieter Thomas Heck ist allerdings ein solch großes Show-Kaliber, dass wir bei ihm mit TV-Standardsätzen allein nicht auskommen.

Sie benöten außerdem ein goldenes Kettchen, das Sie am rechten Handgelenk tragen:
Mit dem Armkettchen üben Sie die für Dieter Thomas Heck so typische kreisende Handbewegung.

Außerdem brauchen Sie ein Fernsehballett:

Unsere TV-Merkregel für Dieter Thomas Heck lautet:

Ich höre mich am liebsten selber reden.
Und das stundenlang.


Zu dieser TV-Merkregel wollen wir nun eine Leseübung machen.

Es ist ein Originalinterview mit Dieter Thomas Heck (Quelle: www.gerwin.de). Im folgenden Text sind jedoch die Fragen des Reporters weg gelassen und nur Hecks Antworten wieder gegeben, und zwar nahtlos aneinander gereiht.

Diese Leseübung erfordert ein wenig Konzentration. Zur Erleichterung sind die Wörter und Silben, die Sie als Dieter Thomas Heck betonen sollen, optisch hervor gehoben. Gehen Sie an diesen Stellen mit der Stimme deutlich nach oben und sprechen Sie die einzelnen Silben mit zeitlicher Verzögerung und gedehnten Pausen dazwischen aus. Wir sprechen hier auch von der Heckschen Betonung.

Wir üben diese Hecksche Betonung gemeinsam an dem ersten Satz des Textes. Er lautet:

"Melodien für Millionen" war sicherlich eine der erfolgreichsten Sendungen für den deutschen Schlager.

In der "Heckschen Betonung" sieht der Satz so aus:

Melo-di-en für Mil-lio-nen war sicherlich eine der er-folg-reichsten Sendungen für den deutschen Schla-ger.

Sagen Sie sich vor der Leseübung laut "Ich bin Heck!" vor. Dann beginnen Sie laut zu lesen:

"Melo-di-en für Mil-lio-nen" war sicherlich eine der er-folg-reichsten Sendungen für den deutschen Schla-ger. Bei der Sendung zu Gunsten der deutschen Welthungerhilfe beispielsweise wurde aber nicht nur deutsch gesungen. Ich bin der Mei-nung, wenn man Menschen mit einer bunten Sendung eine Freu-de macht - es werden ja leider immer weniger Sendungen dieser Form produziert - sollte man versuchen, Fröh-lich-keit ins Haus zu bringen, auch ein bisschen Nach-denklichkeit. Das ist eine gute Kombination: zu helfen und zu unterhal-ten. Wenn man fröhlich ist, sollte man auch nach-denken. Es kann nicht immer nur die Fröhlichkeit vorherrschen. Das hängt wohl ein bisschen mit unserem Glau-ben zusammen, bei dem man auch nachdenken muss. Wer nicht glaubt, wird wohl nie wissen, wie das Leben wirklich ist. Es gibt so viele Situationen, in denen man - wie ich es immer etwas salopp ausdrücke - dem Jungen da oben etwas sagen, ihn fragen oder dankbar sein möchte. Denn es ist ja nicht al-les selbstverständlich. Ich muss eigentlich jeden Tag fünfmal beten. Aber dafür muss ich nicht in die Kirche gehen, obgleich ich nach wie vor in der Kirche bin und nach wie vor Kir-chen-steuer zahle. Was viele nicht mehr tun. Das kann ich nicht. Aber ich habe meine Kirche in meinem Her-zen. Das ist wichtiger. Zu Hause betete ich je-den A-bend mit meiner Mutter oder mit meinem Vater, als er aus der Krieggefangenschaft zurückkam. Das haben wir auch mit unseren Kin-dern jeden Abend getan und gesagt: "Dan-ke, lieber Gott!" - Es war immer so schön. Jetzt habe ich ein Buch mit Ge-be-ten geschrieben. In Sendungen sage ich nie "Ich", höchstens dann, wenn ich um Ver-zei-hung bitte. An einer Sendung arbeiten immer vie-le Menschen. Ob das meine Frau ist, unsere Tochter oder unser Redakteur, al-le möglichen Menschen, die dazugehören. Jeder ein-zelne trägt zum Gesamten bei. Ich könn-te ja gar nicht ohne Crew. Was wäre das für eine Über-heb-lich-keit, ständig "Ich" zu sagen. Das könn-te ich nicht, weil ich's nicht füh-le.
Quelle: www.gerwin.de

Danke, Dieter Thomas Heck, für die außergewöhnlichen Show-Stunden!

4.7.07

Lektion: Seien Sie... Tom Buhrow!

Heute wollen wir lernen, wie Tagesthemen-Moderator Tom Buhrow zu sein.

Das ist ganz einfach. Dazu müssen Sie nur fröhlich genug sein. Und viel lächeln. Denn:

Sei die Nachricht noch so schlimm,
für den Tom ist das Klimbim!


Also, schauen wir uns an, wie das Tom Buhrow mit seiner ungebrochen guten Laune und seinem wunderbaren Lächeln immer macht.

Da liest er nun mit seinem fröhlichen, kecken Köpfchen die schlimmsten Nachrichten vor. Am liebsten würde man ihm in sein kleines, freches Bäckchen kneifen!

Ein paar Fallbeispiele, immer mit Text und dazu gehörendem Bild. Achten Sie auf die fortlaufende Steigerung.

Tom Buhrow liest:
"Heute war es im Irak besonders schlimm."


Tom Buhrow liest:
"In Afghanistan ist es seit heute
so schlimm wie noch nie."



Der Tom:
"Heute sind insgesamt 65.000 Flugzeuge abgestürzt.
Sie und ich waren in keinem davon."



Tommy:
"Deutschland ist seit heute vollkommen pleite! Ha!"


Der lustige Tommy-Boy:
"Guten Abend.
Vor etwa 10 Minuten ist die Welt untergegangen!"



Smiley-Tommy:
"Wir sehen uns morgen wieder - bestens gelaunt!"
Fotos Copyright (c) Abendblatt, Freenet, NDR, Sueddeutsche.de

2.7.07

Lektion: Talkmaster befragt Prominenten

Heute wollen wir lernen, wie wir uns als Talkmaster mit einem prominenten Gast unterhalten und den Zuschauer dabei entsetzlich nerven.

Beginnen wir mit ein paar grundlegenden TV-Merkregeln für Sie als künftigen, herrlich-schrecklichen Talkmaster:

Die Talkshow dient der Selbstinszenierung des Moderators.

Der Gast ist für den Moderator da. (nicht umgekehrt)

Der Gast ist ein billiges Werkzeug für die Selbstinszenierung des Moderators.

Der Zuschauer ist vom Gespräch auszuschließen.
Denn - Sie erinnern sich an eine unserer allerersten TV-Merkregeln - :
Der Zuschauer hat keine Ahnung vom Fernsehen.

Wir arbeiten beim Gespräch Moderator-Prominenter mit den sogenannten TV-Text-Bausteinen. TV-Text-Bausteine gehören zur Gruppe der TV-Standardsätze. Sie sind nur etwas länger als die, die wir in den vorhergehenden Lektionen gelernt haben.

Völlig unabhängig vom Gast begrüßen Sie ihn mit dem TV-Text-Baustein:
Ich muss den Zuschauern zuerst erklären: Wir beide duzen uns. Denn wir kennen uns ja schon so lange. Die Zuschauer wissen das natürlich nicht.

Gast:
Nein, die Zuschauer wissen das natürlich nicht.

Sie führen fort:
Wir beide sind ja schon so lange im Geschäft. Weißt du noch, wann wir uns das erste Mal begegnet sind?

Jetzt beginnt eine nicht enden wollende Rückschau auf die Gründerzeit der Fernsehens. Es werden Namen aufgelistet, die der Zuschauer alle nicht kennt: längst verstorbene Regisseure, Drehbuchautoren und Bühnenbildner.

Sie setzen fort mit:
Und wann sind wir uns dann wieder begegnet? Wir kennen uns ja schon so lange. Die Zuschauer wissen das sicher natürlich nicht.

Gast:
Nein, die Zuschauer wissen das natürlich nicht.

Dann klappern Sie den Punktekatalog ab:
Du spielst jetzt in einer neuen Serie mit.
Du hast ein Buch geschrieben.
Du hast auch ein neues Kochbuch heraus gebracht.
Du singst jetzt auch.
Du singst jetzt auch die Texte deiner Kochbücher.

 Und Sie schließen ab mit:
Wir beide könnten uns noch stundenlang weiter unterhalten. Denn wir kennen uns nun schon so lange. Die Zuschauer wissen das natürlich nicht.

Gast:
Nein, und sie sollten froh sein.