16.6.07

Lektion: Unser neues Medien-Ego

Heute wollen wir lernen, wie unser neues Medien-Ego aussieht.

Machen wir einen Sprung in Ihre bisherige Gedankenwelt.

Vielleicht dachten Sie bisher, Fernseh-Macher seien für das Fernsehen da, um gute Programme zu gestalten.
Vielleicht dachten Sie bisher, das Fernsehen sei für die Zuschauer da, um es zu informieren und zu unterhalten.
Vielleicht dachten Sie bisher, man dürfe den Zuschauern Programme nur innerhalb bestimmter Geschmacksgrenzen anbieten.
Und vielleicht waren Sie bisher sogar von Idealen getrieben und dachten, mit Fernsehen müsse man die Welt ein kleines Stückchen besser machen, im Sinne von "Es gibt nichts Gutes, außer man tut es."

Welch naive, verträumte und realitätsfremde Gedankenspinnerei! Vergessen Sie das ganze Gesülze.

Als herrlich-schrecklicher TV-Profi müssen Sie sich von Ihren bisherigen Gedankenmustern trennen. Dann sind Sie frei für Ihr neues Medien-Ego. Und das wollen wir uns nun gemeinsam erarbeiten. Wir tun das mit unserem bewährten TV-Lernwerkzeug, den TV-Merkregeln.

Ersetzen Sie Ihre bisherigen idealistischen und daher falschen Gedankenmuster durch egozentrische und skrupellose Leitsätze. Als selbstgefälliger und gewissenloser TV-Profi heißt es für Sie künftig nicht "Es gibt nichts Gutes, außer man tut es", sondern:

Es gibt nichts Geschmackloses, außer man sendet es.

Und das ist nur eine von vielen neuen TV-Merkregeln, die von heute an Ihr neues Medien-Ego prägen werden, und die Sie jetzt bitte in Ihr Arbeitsheft übertragen.

Wie immer ergeben sich nachfolgende TV-Merkregeln als Schlussfolgerung der vorhergehenden und bilden dann eine in sich schlüssige, logische Gedankenkette.

Ausgangspunkt ist unsere Annahme, dass Sie aufmerksamkeitssüchtig, und daher medien-, kamera- und karrieregeil sind. Das ist gut so. Daraus leiten wir nun die TV-Merkregel ab:

Sie gehören ins Fernsehen.
Wir folgern logisch:
Sie müssen ins Fernsehen.
Wobei wir immer beachten wollen:
Das Fernsehen ist für Sie da.
(und nicht umgekehrt)

Zum Zuschauer bleibt nur zu sagen:

Das Publikum ist doof
und hat keine Ahnung vom Fernsehen.


Alle TV-Merkregen laufen auf eine allumfassende, universale TV-Merkregel hinaus. Es ist die zentrale TV-Merkregel dieses Lehrbuch-Blogs überhaupt. Allein mit ihr können Sie schon 24 Stunden auf 9 live fröhlich durch senden. Sie lautet:

Sie sind das Fernsehen.

Sie können sich diese wichtigste aller TV-Merkregeln gar nicht oft genug vorsagen, und zwar immer wieder laut:

Ich bin das Fernsehen.
Ich bin das Fernsehen.


Spüren Sie schon leicht den aufkommenden Größenwahn und die widerliche Selbstverliebtheit? Sehr gut. Und immer schön weiter vorsagen: Ich bin das Fernsehen. Ich bin das Fernsehen.

Unser größten TV-Vorbilder, sei es Barbara Salesch, Michel Friedman, Andy Borg oder die komplette Irrsinns-Truppe von 9 live sind mit diesen TV-Merkregeln zu dem geworden, was sie heute sind, und sie arbeiten heute noch damit.

Das nächste Mal lernen wir, welche Medikamente uns helfen, nicht total überzuschnappen.

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