20.6.07

Lektion: Soziales Fernsehen

Heute wollen wir lernen, warum wir den Zuschauern die schrecklichen Bilder von Gülcan und von Barbara Becker mit Sohn (beides Pro7) nicht vorenthalten dürfen.

Auch wir als künftige herrlich-schreckliche TV-Profis haben eine Verantwortung. Die Verantwortung, die Kamera genau dort hin zu halten, wo viele von uns nur all zu gern weg sehen würde, weil die Bilder und auch der Ton fast nicht zu ertragen sind. Die Rede ist von Gülcan (Viva-Moderatorin), und von Barbara Becker mit ihrem Sohn Noah. Die eine - Gülcan - befindet sich in ihren Hochzeitsvorbereitungen, der andere - Noah - in der Pubertät. Zwei Doku-Sendungen über dieses doppelte, unermessliche Elend - "Gülcans Traumhochzeit" und "We are Family" - waren gestern auf Pro 7 unmittelbar hintereinander im Hauptabendprogramm zu sehen. Pro 7 kann für dieses soziale Engagement gar nicht genug gelobt werden.

Bomben in Irak, Hunger in Afrika, Pflegenotstand in Deutschland - Das kennt jeder, und es erschreckt niemanden mehr. So etwas zu senden ist leicht. Dazu gehört kein Mut. Aber den Horror von Gülcan (mit Verlobtem Sebastian) und von Noah (mit Mutter Barbara Becker) zu dokumentieren, ist soziales Fernsehen, wie es ehrenwerter und engagierter nicht sein kann. Denn: Dieses nervtötende, schwachsinnige und unerträgliche Endlos-Gequatsche hält kein normaler Mensch aus. Für uns als künftige herrlich-schreckliche TV-Macher ist das absolutes Vorbild-Fernsehen. Hinschauen statt wegsehen, senden statt wegwerfen, den Zuschauer quälen statt verschonen.

Daraus ergeben sich für uns drei neue TV-Merkregeln, die wir jetzt in unser Arbeitsheft übertragen wollen. Sie lauten:

Schlimme Sendungen über Gülcan und über Barbara Becker mit Sohn nennen wir "Soziales Fernsehen".

Soziales Fernsehen ist unerträgliches Fernsehen.

Unerträgliches Fernsehen ist gutes Fernsehen.


Natürlich sind nicht alle Fälle im sozialen Fernsehen gleich so schlimm wie die von Gülcan und Barbara/Noah Becker. Das Entsetzen ist hier extrem, der Horror kaum zu überbieten. Manch einer von uns mag sich fragen, wo denn da nur Gott ist. Und warum er so etwas nicht verhindert. Darauf gibt es wohl keine Antwort. Umso wichtiger ist aber, dass wir als künftige herrlich-schreckliche TV-Profis die Augen nicht davor verschließen und diese Dinge allesamt senden.

Wir fassen diese Erkenntnisse in einer weiteren TV-Merkregel zusammen:

Gesendet wird alles.

Alles, also auch kaum ertragbares Grauen wie in unserem Beispiel Barbara Beckers Pubertäts-Gequatsche und Gülcans Irrenhaus-Hochzeit.

Das nächste Mal lernen wir, warum der Fernseher explodiert, wenn die Gülcan-Sippschaft zu den Beckers zu Besuch kommt.

Fotos Copyright (c) ProSieben Television GmbH

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